Hafen in Griechenland
Kreuzfahrten mit Halt in Korfu
Korfu – Wo Venezianer, Briten und griechische Lebensart sich begegnen
Wer von der Reeling eines Kreuzfahrtschiffs auf Korfu zufährt, sieht zunächst das Grün: dicht bewachsene Hügel, Olivenhaine, die bis ans Wasser reichen, und dahinter die cremefarbenen Fassaden von Kerkyra – so lautet der griechische Name der Inselhauptstadt. Die Ionische Insel hat über Jahrhunderte hinweg venezianische Kaufleute, britische Kolonialherren und osmanische Rivalen angezogen. Dieses Nebeneinander hat Korfu-Stadt ein Gesicht gegeben, das sich von jedem anderen griechischen Hafen deutlich unterscheidet – und das seit 2007 zu Recht als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt ist.
Erster Eindruck: Kerkyra zu Fuß
Das Kreuzfahrtterminal liegt günstig: Vom Anlegeplatz erreicht man die Altstadt in wenigen Gehminuten. Wer die engen Gassen der Campiello – des ältesten Viertels – betritt, findet sich in einer Kulisse aus venezianischen Laubengängen, verwitterten Treppenhäusern und Wäscheleinen wieder, die sich über Durchgänge spannen. Keine touristische Inszenierung, sondern gelebter Alltag.
Das Herzstück der Stadt ist die Esplanade (Spianada), Griechenlands größter öffentlicher Platz. Die breite Grünanlage trennt die Altstadt von der Alten Festung und lädt zum Flanieren ein. An ihrer Westseite reihen sich die Liston-Arkaden auf, eine direkte Reminiszenz an die Rue de Rivoli in Paris – entstanden unter französischer Herrschaft. Heute sitzen hier Reisende Seite an Seite mit Einheimischen beim Frappé.
Zwei Festungen, eine Stadt
Korfu-Stadt ist die einzige Stadt Griechenlands, die von zwei venezianischen Festungen flankiert wird. Die Alte Festung (Paleo Frourio) thront auf einer kleinen Halbinsel direkt am Meer und bietet vom höchsten Punkt einen weiten Blick über den Kanal zum griechischen Festland. Die Neue Festung (Neo Frourio) westlich der Altstadt ist weniger besucht, dafür atmosphärischer – verwinkelte Gänge, Kasematten und ein kleiner Kunstmarkt erwarten einen dort.
Ausflugsziele: Palast, Kloster und Bergpanorama
Etwa vier Kilometer südlich der Altstadt liegt der Achilleion-Palast, Sommerresidenz der österreichischen Kaiserin Elisabeth (Sisi) aus dem späten 19. Jahrhundert. Der neoklassizistische Bau mit seinen Terrassengärten und Achilles-Statuen wirkt wie ein Hauch Belle Époque auf griechischem Boden – und wurde später von Kaiser Wilhelm II. genutzt. Ein Shuttlebus oder Taxi bringt einen in rund 20 Minuten dorthin.
Im Nordwesten der Insel empfiehlt sich ein Besuch des Klosters Paleokastritsa, das auf einem Felsvorsprung über türkisfarbenen Buchten thront. Weiß getünchte Mauern, Bougainvilleen in Lila und Pink, der Duft von Zypressenharzen – der Ort verbindet religiöse Geschichte mit einer der eindrucksvollsten Küstenlandschaften der Insel.
Wer mehr Zeit mitbringt, fährt in das verlassene Bergdorf Perithia am Fuß des Pantokrator, des höchsten Gipfels Korfus (906 m). Die steinernen Häuser aus byzantinischer und venezianischer Zeit stehen größtenteils leer – ein faszinierendes Zeitzeugnis abseits der üblichen Touristenpfade.
Kulinarisches: Was man in Korfu-Stadt probieren sollte
- Sofrito – zartes Kalbfleisch in einer Weißweinsauce mit Knoblauch und Petersilie, ein typisch korfiotes Gericht
- Bourdeto – ein pikanter Fischeintopf mit rotem Pfeffer, der Einflüsse der venezianischen Küche trägt
- Kumquat-Likör – aus der einzigen kommerziellen Kumquat-Plantage Europas, die auf Korfu beheimatet ist
- Pastitsada – Nudeln mit einem würzigen Fleischragout, ebenfalls venezianischen Ursprungs
Reedereien & Kreuzfahrtrouten
Korfu gehört zu den klassischen Anlaufhäfen im östlichen Mittelmeer. AIDA Cruises und Mein Schiff integrieren die Insel regelmäßig in ihre Griechenland-Routen, ebenso MSC Cruises. Für Gäste mit höheren Ansprüchen an Exklusivität und kleinere Schiffsgrößen fahren Silversea und Regent Seven Seas Korfu an – mit dem Vorteil, dass deren Passagiere häufig zu günstigeren Zeiten einlaufen und die Morgenstunden in der Altstadt noch ruhiger erleben. Sea Cloud Cruises und Star Clippers setzen mit ihren Segelschiffen einen eigenen Akzent im Hafen und passen stilistisch gut zu einer Insel, die schon Homer im Odyssee erwähnt haben soll.
Praktische Hinweise
Der Hafen liegt in unmittelbarer Nähe zur Altstadt – ein klarer Vorteil gegenüber vielen anderen Mittelmeerzielen. Taxis, Busse und organisierte Ausflüge starten direkt am Terminal. Wer die Insel eigenständig erkunden möchte, findet in Hafennähe Mietwagenagenturen. Die beste Strategie: Altstadt am Morgen zu Fuß, Ausflug ins Inselinnere am Nachmittag, Rückkehr über die Uferpromenade bei Sonnenuntergang.
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