Hafen in Tunesien
Kreuzfahrten mit Halt in La Goulette
La Goulette – Tunesiens Tor zum Mittelmeer
Wer vom Kreuzfahrtschiff auf den Kai von La Goulette tritt, steht auf einem schmalen Landstreifen zwischen dem Lac de Tunis und dem Golf von Tunis – geografisch ein Nadelöhr, historisch ein Knotenpunkt zwischen Europa und Afrika. Nur zwölf Kilometer von der Hauptstadt Tunis entfernt, funktioniert La Goulette seit Jahrhunderten als maritime Pforte des Landes. Dass hier einmal Spanier, Osmanen, Italiener, Malteser, tunesische Juden und Muslime Seite an Seite lebten, ist noch heute spürbar – in der Architektur, in der Küche, in der eigenartigen Leichtigkeit, die den Ort prägt.
Erster Eindruck: Vorort mit Geschichte
La Goulette selbst ist keine Hochglanzkulisse. Die zwei- und dreigeschossigen Wohnhäuser, die Cafés mit Plastikstühlen vor der Tür, die ruhigen Seitenstraßen – das alles wirkt bewusst unaufgeregt. Genau darin liegt der Reiz für Kreuzfahrer, die echtes Alltagsleben suchen. Das spanisch-osmanische Fort Carraca ragt als massiver Zeuge der Vergangenheit aus dem Stadtbild hervor und dient heute als Bühne für Sommer-Kulturfestivals. Das Arsenaltor und die Kirche Saint Augustin et Saint Fidèle erinnern an die kosmopolitische Blütezeit des 19. und frühen 20. Jahrhunderts – eine Epoche, in der das Quartier „La Petite Sicile" den Spitznamen Klein-Sizilien trug.
Tunis, Karthago und Sidi Bou Saïd – alles in Reichweite
Das eigentliche Potenzial von La Goulette als Kreuzfahrthafen liegt in seiner Lage: Per Taxi oder dem historischen Schnellzug TGM (Tunis–Goulette–Marsa) erreicht man die Highlights der Region in kürzester Zeit.
- Tunis Medina: Das UNESCO-Weltkulturerbe liegt rund 20 Minuten entfernt. Souks, Moscheen, Hammams und das Bardo Nationalmuseum mit einer der bedeutendsten Mosaik-Sammlungen der Welt füllen einen halben Tag mühelos.
- Karthago: Die Ruinen der punischen Metropole – Antoninus-Thermen, Byrsa-Hügel, Tophet – befinden sich direkt an der TGM-Linie. Wer sich für antike Geschichte interessiert, sollte mindestens zwei Stunden einplanen.
- Sidi Bou Saïd: Das blau-weiß gestrichene Künstlerdorf oberhalb des Golfs von Tunis ist ein weiterer Halt der TGM. Enge Gassen, bougainvilleaberankte Mauern und Cafés mit Blick aufs Meer – das ist Sidi Bou Saïd. Kein Filter nötig.
Kulinarik: Fisch, Brik und Harissa
La Goulette gilt als eine der besten Fischadressen Tunesiens. Auf der Hauptpromenade reihen sich mehr als 40 Restaurants aneinander – der Schwerpunkt liegt klar auf frischem Fang aus dem Golf von Tunis: gegrillter Barsch, Garnelen mit Chermoula, Calamari nach tunesischer Art. Wer es Street-Food-typisch mag, sollte unbedingt ein Brik probieren – ein fritiertes Teiggericht gefüllt mit Ei, Thunfisch und Kapern, das an jeder Ecke frisch zubereitet wird. Im August verwandelt sich die Stadt beim jährlichen Fischfestival in ein öffentliches Freiluftrestaurant.
Praktische Hinweise für Kreuzfahrer
Das Kreuzfahrtterminal liegt direkt im Hafen; das Stadtzentrum von La Goulette ist zu Fuß in wenigen Minuten erreichbar. Für Ausflüge nach Tunis, Karthago oder Sidi Bou Saïd empfiehlt sich die TGM-Linie – günstig, pünktlich und klimatisiert. Taxis sind ebenfalls verfügbar; auf Taxameter oder vorherige Preisvereinbarung achten. Offizielle Währung ist der Tunesische Dinar (TND); Bargeld ist für Märkte und kleinere Lokale sinnvoll. In touristischen Bereichen wird Englisch und häufig auch Französisch gesprochen.
Reedereien, die La Goulette anlaufen
MSC Cruises zählt zu den regelmäßigen Anläufern von La Goulette und integriert den Hafen in Mittelmeer-Rundreisen ab europäischen Heimathäfen. Auch AIDA Cruises und Mein Schiff nehmen Tunis/La Goulette in ihre Ostmittelmeer- und Nordafrika-Routen auf. Für anspruchsvollere Gäste bieten Silversea und Regent Seven Seas Cruises La Goulette als Teil kuratierter Kulturreisen entlang der nordafrikanischen Küste an – häufig kombiniert mit Häfen wie Valletta, Palermo oder Heraklion.
La Goulette ist kein Selbstzweck, sondern ein Ausgangspunkt. Wer einen Tag hier verbringt, kann morgens durch antike Ruinen streifen, mittags Minztee in Sidi Bou Saïd trinken und abends mit Blick auf den Golf von Tunis frischen Fisch essen. Für ein Leben als Hafenstadt ist das eine bemerkenswert dichte Agenda.
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