Hafen in USA

Kreuzfahrten Ketchikan

Ketchikan, Alaska
Ketchikan, Alaska © David Dorner
Alaskas erster Eindruck überzeugt: Ketchikan, direkt am Inside Passage gelegen, empfängt Kreuzfahrer mit einer der weltweit größten Sammlungen historischer Totempfähle. Die Creek Street – einst Rotlichtviertel, heute Promenade auf Stelzen über dem gleichnamigen Bach – führt zu Galerien, Cafés und dem Southeast Alaska Discovery Center. Wer mehr will, fliegt per Wasserflugzeug ins Misty Fjords National Monument: 3.000 Fuß hohe Felswände, Salzwasserfjorde, Weißkopfseeadler. Im Saxman Village arbeiten Tlingit-Künstler noch heute an neuen Totems. Frisch gefangener Lachs – Ketchikan nennt sich „Salmon Capital of the World" – gehört auf den Teller.

Ketchikan – Alaskas erster Eindruck am Eingang zur Inside Passage

Wer mit dem Schiff durch die Inside Passage nach Alaska fährt, erreicht Ketchikan meist als ersten Hafen – und der Empfang ist ungewöhnlich direkt: Das Schiff legt mitten im Ortskern an, wenige Meter vom Treiben der Front Street entfernt. Keine endlosen Bustransfers, kein Industriehafen. Hinter den Docks stapeln sich die bunt gestrichenen Holzhäuser den bewaldeten Hang hinauf, Wasserflugzeuge kreisen über dem Narrows, und irgendwo in der Ferne ruft ein Weißkopfseeadler.

Ketchikan zählt knapp 14.000 Einwohner, trägt den selbstbewussten Beinamen „Salmon Capital of the World" und besitzt gleichzeitig die weltweit größte Sammlung an Totempfählen aus dem 19. Jahrhundert. Diese Kombination – kommerzielle Fischereigeschichte und lebendige Kultur der Tlingit, Haida und Tsimshian – macht den Ort zu einem der substanzreichsten Stopps entlang der Alaska-Route.

Creek Street: Boardwalk mit Vergangenheit

Der bekannteste Spaziergang führt über die Creek Street, eine auf Stelzen über den Ketchikan Creek gebaute Holzpromenade. Bis 1954 war die Straße das offizielle Rotlichtviertel der Stadt – heute beherbergt sie Galerien, Buchläden, kleine Restaurants und das historische Dolly's House Museum, das die Geschichte des Viertels ohne falsche Scheu erzählt. Wer von der Creek Street aus die Standseilbahn (Funicular) nach oben nimmt, erreicht das Cape Fox Lodge mit Blick über Tongass Narrows und die umliegenden Inseln.

Totempfähle: Drei Orte, drei Erfahrungen

Für die Totempfahl-Kultur lohnt sich ein Besuch an gleich drei Orten:

  • Totem Heritage Center – städtisches Museum mit originalen Pfählen aus dem 19. Jahrhundert, Fokus auf Erhalt und Dokumentation
  • Totem Bight State Historical Park – zehn Meilen nördlich des Zentrums, 23 restaurierte Pfähle in einem Küstenregenwald, dazu ein farbenprächtiges Gemeinschaftshaus
  • Saxman Native Village – südlich der Stadt, mit 25 Pfählen, einem aktiven Schnitzatelier und Vorführungen traditioneller Tlingit-Tänze

Im Schnitzatelier von Saxman kann man Handwerkern bei der Arbeit zuschauen – ein Unterschied zu bloßem Museumsbesuch.

Misty Fjords National Monument: Dimensionen jenseits der Stadt

Das eigentliche geografische Highlight liegt östlich der Stadt: Das Misty Fjords National Monument umfasst knapp 9.300 Quadratkilometer Wildnis mit 900-Meter-Felswänden, die senkrecht aus dem Wasser steigen, stillen Salzwasserfjorden und einem Ökosystem, das Seeotter, Seehunde, Buckelwale und Weißkopfseeadler beheimatet. Die Region wurde vor etwa 17.000 Jahren durch massive Gletscherbewegungen geformt – das Ergebnis sind Landschaften, die kaum fotografisch einzufangen sind.

Zugang bieten Katamarantouren (ca. 4–6 Stunden), Wasserflugzeug-Rundflüge oder Kombinationsangebote aus beiden. Für Seekajakfahrer erschließen geführte Mehrstunden-Touren die ruhigeren Buchten. Wer keine Gletscher erwartet – Ketchikan hat keine –, findet in den Fjords ein äquivalentes Naturerlebnis eigener Art.

Essen, Fischen, Erleben

Ketchikan ist kein Feinschmeckerziel im klassischen Sinne, aber wer frischen Pazifiklachs, Dungeness-Krabbe oder Heilbutt in einfacher Umgebung essen möchte, wird nicht enttäuscht. Das New York Café nahe der Creek Street ist eine verlässliche Adresse für Einheimische und Besucher gleichermaßen. Für Süßes: Little Mermaid Espresso gegenüber dem Tongass Trading Company Store. Wer aktiver ist, bucht eine geführte Angeltour – Lachs läuft von April bis September.

Reedereien und Hafensituation

Ketchikan ist ein Standardstopp auf nahezu jeder Alaska-Kreuzfahrt entlang der Inside Passage. NCL, Royal Caribbean und MSC Cruises laufen Ketchikan regelmäßig an, ebenso Premiumlinien wie Silversea und Regent Seven Seas, die den Hafen als Teil längerer Alaska-Routen einbinden. Der Vorteil: Die Schiffe legen direkt am Stadtzentrum an, der Southeast Alaska Discovery Center – ein informativer Ausgangspunkt mit Ausstellungen zu Tongass National Forest, indigener Kultur und regionaler Tierwelt – ist zu Fuß in wenigen Minuten erreichbar.

Ketchikan funktioniert an einem halben Tag, entfaltet aber bei längerem Aufenthalt deutlich mehr Tiefe – vor allem wenn man einen Flug über die Misty Fjords oder eine Kajaktion in die ruhigen Buchten südlich der Stadt ergänzt.

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